Die Antwort ist einfach: es kommt darauf an, wo man ihn einreicht. Bei Awwwards haben wir 65 Dollar bezahlt und nun eine Honorable Mention erhalten. Bei einem anderen Anbieter hätte der Gewinn mindestens 3.000 Euro gekostet. Ein Erfahrungsbericht.
Eine internationale Fachjury bewertet bei Awwwards nach Design, Nutzbarkeit, Kreativität und Inhalte. Ausgezeichnet wird, wer einen Mindestscore von 6,5 erreicht. Weniger als 3 % aller Einreichungen schaffen das.
Der Prozess ist denkbar einfach: Ein Formular ausfüllen, 65 Dollar bezahlen und warten. Kein Anruf, kein Vertriebsgespräch, keine Nachfassmail. Und vor allem: nach der Vergabe der “Honorable Mention” keine weitere Rechnung. Die Seite spricht für sich, die Jury entscheidet.
Einige Wochen vorher hatte ich einen anderen Award-Prozess begonnen, bei einem deutschen Anbieter, der Agenturen aktiv anspricht. Die E-Mail-Korrespondenz war freundlich, das Interesse wirkte echt. Dann folgte ein Link, nur 72 Stunden gültig, mit der Aufforderung, das Projekt zu schildern. Gesagt, getan: alles Notwendige beschrieben, Bilder und Videos hochgeladen, weitere Texte verfasst, Adresse angegeben.
Dann kamen die AGB. Darin stand, fast beiläufig: Im Falle einer Awardvergabe werden 3.000 Euro fällig.
Man gewinnt also erst — und zahlt dann. Genau in dem Moment habe ich mich gegen die Teilnahme entschieden.
Im Nachgang erhielt ich versehentlich ein internes Dokument des Anbieters. Eine “Einwandsbehandlung”. Eine Anleitung für den Vertrieb: wie typische Einwände von Interessenten zu behandeln sind. Kostenbedenken sollen relativiert werden. Zeitmangel soll mit Deadlines beantwortet werden. Unsicherheit über den Nutzen soll mit standardisierten Argumenten adressiert werden. Ich fühlte mich wie ein Lead, nicht mehr wie ein Kunde. Der 72-Stunden-Link ergab plötzlich Sinn.
Ich befand mich in einem Vertriebstrichter. Vertrieb ist dabei nichts Anrüchiges, im Gegenteil. Ich liebe den Vertrieb. Jedes Unternehmen verkauft Leistungen — auch Awards. Aber: Ab welchem Punkt wird aus einer Auszeichnung ein Vertriebsprodukt? Und was passiert mit der Glaubwürdigkeit, wenn dieser Punkt überschritten ist? Besonders auffällig wird das, wenn dieselbe Organisation öffentlich mit ethischen Grundsätzen wirbt — von Vertrauen, verantwortungsvollem Handeln und dem respektvollen Umgang mit Informationen.
Je stärker die Vermarktung wird, desto wichtiger wird Transparenz. Und je häufiger von Vertrauen gesprochen wird, desto genauer schauen Menschen hinter die Kulissen.
Die Honorable Mention hängt jetzt in unserer Agentur. Das interne Dokument liegt in meiner Ablage. Beides erinnert mich an dasselbe: Eine Auszeichnung ist so viel wert wie der Weg, auf dem sie zustande kommt.
Wann wird ein Differenziator zur Commodity? Genau dann, wenn alle mitmachen.
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